Insel Föhr

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Foehr schön erkunden

 Geführte Wattwanderungen auf Föhr machen Lust auf Meer

Das alles macht Lust auf Meer – und so beschließen wir, anderntags acht Kilometer durchs Wasser zu waten: von Föhr nach Amrum! Das geht aber nur in der Gruppe, und nur mit jeweils einem ortskundigen Führer als Vor- und Nachhut.

Und es bedarf einiger Überredung: „Oh Mann! Ich will nicht noch mal ins Watt! Ich will Gummibärchen oder gar nix!“ Der Marsch beginnt an der Westküste der Insel Föhr. Zunächst geht es durch knie­tiefe Priele, doch bald sorgt die Ebbe dafür, dass wir die meiste Zeit trockenen Fußes laufen können.

Ohne Gummistiefel übrigens – was kein Problem ist, wenn man nicht gerade in eine zerbrochene Mies­muschel tritt. Zum Glück geht alles gut, und so genießen wir den wie gemalten Himmel, der uns an diesem makellosen Sommertag umgibt, die Weite aus Wasser, Watt und Sand, und natürlich den Ausblick auf den Amrumer Strand, auf den wir uns langsam, aber sicher zubewegen.

Zu Fuß von Föhr nach Amrum

„Schön, unsere Wanderung, gell, Papa?“, sagt Merle, die ich während der zweieinhalbstündigen Tour fast ununterbrochen auf den Schultern trage (wodurch ich die herrliche Salzbrise besonders tief einatmen kann…). „Ja, wirklich schön – und du hast den allerbesten Ausblick!“

Kurz vor der Ankunft wird’s noch mal heikel: Wir müssen das sogenannte Mittelloch durchqueren – ein Priel mit beachtlicher Strömung, der Erwachsenen gut bis zur Hüfte reicht. Luis schafft es knapp, nicht weggespült zu werden, und auch wir Eltern haben zu kämpfen. Merle hingegen genießt einfach weiter die Aussicht.

Bei Flut ist das hier die Fahrrinne der Schiffe, denn ein Priel ist nichts anderes als ein beschiffbarer Wasserlauf – und die Flut kommt schnell: „Eine halbe Stunde später gäb’s hier für uns schon kein Durchkommen mehr“, erklärt unser Wattführer. Das ist das Gefährliche an den Gezeiten – und deshalb wird auch dringend davon abgeraten, auf eigene Faust von Insel zu Insel zu wandern.

Am Strand angekommen, starte ich einen tollen Monolog über das faustische Element solcher Erfahrungen, gipfelnd im Ansinnen: „Augenblick, verweile doch, du bist so schön!“, doch Frau und Kinder runzeln die Stirn. Gut, dann eben nicht… Puh, Amrum zieht sich – wir laufen noch eine gute Stunde am Deich entlang bis in den gepflegten Ort Norddorf, werfen unterwegs einige Blicke auf den unglaublich breiten Amrumer Weststrand, fahren dann mit dem Bus nach Wittün und von dort mit der Fähre zurück nach Föhr. Fazit des Tages: Es hat sich gelohnt – und Amrum ist einen eigenen Urlaub wert…

Begegnung mit Piraten

Auf unserer Stamminsel steht den Kindern noch ein besonderer Höhepunkt bevor: die Föhrer Piratentage! Im Musikpavillon am Sandwall, das ist die fast schon mondäne Promenade direkt am Wyker Strand, sind musikalische Reisen und Kindertheater, Flaggenappelle und ein großes Piratenlager mit Stockbrotgrillen und vielen Spielen geboten.

Da darf natürlich Holzschuh-Kalle nicht fehlen, der mit seinem Rauschebart von echten Piraten abstammen muss. Holzschuh-Kalle heißt eigentlich Karl-Erich Brodersen und kommt seit vielen Jahren zu den Piratentagen auf die Insel. Er verkauft nicht nur Holzschuhe, sondern ist auch Münzpräger und Reepschläger; und seine ganze Ausrüstung hat er immer dabei.

„Was macht denn ein Reepschläger?“, will Luis wissen. „Der spannt lange Seile und verdreht sie dann zu dicken Tauen“, erklärt Holzschuh-Kalle. So kamen die im Norden häufig anzutreffenden Reeperbahnen zu ihren Namen – ellenlange Seile wurden dort zu dicken Schiffstauen, auch Trosse genannt, verflochten. Wie das ging, demonstriert Holzschuh-Kalle mithilfe seiner Seilerei-Vorrichtung – und die Kinder dürfen natürlich auch.

Noch viel mehr wäre zu berichten von diesen zwei Urlaubswochen; zum Beispiel von unserer Tagestour mit dem Ausflugsschiff Hauke Haien zur beschaulichen Hallig Hooge – dort fand Luis das Sturmflutkino am tollsten!

Und von den Föhringer Friesenhäusern mit ihren Reetdächern, den alten Windmühlen, den stoischen Schafen am Deich, leckerem Frühstücksgebäck namens „Muscheln“ oder „Zungenkuss“, und von den „sprechenden Grabsteinen“ auf dem Friedhof von Süder­ende – seit Jahrhunderten berichten sie von Seefahrer-Lebensläufen aus Walfängerzeiten. Ach, am besten, Sie fahren selbst mal nach
Föhr. Die Insel tut einfach gut…


 
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